Bonus: Qualität vs. Republishing
/// Bonustext zu dieser Serie über Qualität im Onlinejournalismus ///
Wer sich fragt, welche Tricks Online-Nachrichtenseiten anwenden, um Reichweite zu machen, sollte heute, am Morgen des 13. Juli, mal “Higgs-Boson” googlen. Und das hier steht dann in den Google News.
Man nennt das Republishing. In diesem Text auf journalist.de steht, was ich davon halte. Man muss sich klarmachen, was da passiert: eine Woche alte Texte vom 4. Juli werden am 12. Juli neu veröffentlicht, damit sie auf Google News noch mal gefunden und als “vor einem Tag” ausgeflaggt werden.
Für einen Chefredakteur, der das eigentlich nicht will, bedeutet das: Mach ich beim Republishing nun doch mit – wenn sogar Qualitätsseiten beginnen, dieses Spiel zu spielen? Soll ich es meinen Redakteuren verwehren, so Reichweite zu machen und ihre Jobs zu sichern? Generell gefragt: Soll ich aber wirklich mein knappes Personal daran setzen, billig Masse zu machen statt Klasse?
Die Entscheidung ist wirtschaftlich schwierig, weil diese Tricks in den Marktrankings durchschlagen und Seiten als Gewinner aussehen lassen, die publizistisch in Wahrheit keine sind – ich finde es einfach keinen guten Journalismus, sein jüngeres Archiv als “vor einem Tag” neu zu publizieren, um in Google höher zu kommen. Ich glaube auch nicht, dass das zum Aufbau einer starken Marke beim Leser führen wird.
Aber vielleicht liege ich ja falsch. Vielleicht muss ich umdenken.
PS: Die FAZ weist darauf hin, ihr Text sei nicht republisht, sondern von Google viel zu spät indiziert worden.
/// Serie Qualität im Onlinejournalismus /// Teil 1, 2, 3, 4, 5, Bonus ///