Plöchinger →

Journalist. München. Jahrgang 1976.

Die Weltwöchin

Es gibt da einen Text von Roger Köppel, den man nicht gelesen haben muss. Ich habe mir erlaubt, seine inhärente Gender-Heieieierei dadurch offenzulegen, dass ich zwei Worte vertauscht habe: Männer und Frauen.

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Begehrinnen

Man sollte eine gewisse Toleranz entwickeln für Frauen, die ihren Trieben legal zum Opfer fallen. Frei nach Roger Köppel

Gespräche an einem Abendessen: Es gibt zwischen Frauen und Männern ein Naturgesetz: Die Frau muss den Mann begehren. Der Mann wiederum lebt davon, dass die Frau ihn begehrt. Die Macht des Mannes ist das Begehren der Frau. Frauen sind codiert, Männer zu begehren. Männer sind mit Kräften ausgestattet worden, das Begehren in der Frau zu wecken. Frauen begehren irrational, mitunter krankhaft. Männer bleiben vernünftig, selbst wenn sie intensiv begehrt werden. Ihr genetisch eingepflanztes Vermögen, den Mann unbedingt zu wollen, ist die grosse Schwachstelle der Frau, ihre Achillesferse, die empfindliche Lücke im Panzer.

Die begehrende Frau ist nicht mehr zurechnungsfähig. Sie befindet sich in einem Rausch, der durch Lockstoffe ausgelöst wird, die ihr der Mann subtil übermittelt. Es kann kein echtes Begehren geben ohne den Mann, der der Frau Signale gibt, die sie annehmen lassen, ihr Begehren könne erwidert werden. Die Frau ist am verwundbarsten, wenn sie begehrt. Nie ist die Macht des Mannes, nie ist die Ohnmacht der Frau grösser. Was rätselhaft erscheint, ist nur eine List der Natur. Die Frau muss begehren, um ihren Paarungstrieb zu erfüllen, damit die Spezies überlebt. Deshalb ist dieser Trieb bei ihr so nerven- und gehirnbetäubend stark. Das Begehren oder besser: das Begehrtwerdenwollen des Mannes ist kalkulierter, überlegener, weniger Zeugungs-, mehr Machttrieb, der erst dann ins Irrationale, für die Frau Zerstörerische umschlägt, wenn der Mann von der Frau enttäuscht wird.

Jede Frau muss Techniken entwickeln, wie sie mit ihrem Begehren zurechtkommt. Die meisten Frauen bringen sich rechtzeitig in Sicherheit, indem sie sich vor der extremen Hitze, die von dem begehrten Mann ausgeht, verkriechen. Nicht alle haben die Kraft, sich dem zermürbenden Kampf zu stellen, an dessen Ende entweder der eigene Untergang oder eben die Eroberung des so heissersehnten Mannes steht. Frauen, die erfolglos begehren, es aber trotzdem versuchen, sind wie Motten, die am Licht verglühen.

Männer wollen, ja sie müssen begehrt werden. Sie setzen alles daran, begehrt zu werden. Man darf ihnen das nicht übelnehmen. So wie die Frau unter Umständen ihre ganze Existenz am Schmelzpunkt des totalen Verlangens bündelt, so richtet sich der Mann mit allen Fasern darauf aus, begehrt zu werden. Das Begehrtwerden durch die Frau ist die stärkste Droge, ist das stärkste Aufputschmittel des Mannes. Mathematisch formuliert: Das männliche Selbstvertrauen ist die Summe des weiblichen Begehrens im Quadrat. Je heftiger das Begehren der Frau, desto überproportional grösser ist die existenzielle Zufriedenheit des Mannes, seine Geborgenheit im Leben. Männer wollen sehen, dass die Frau sie begehrt. Sie sind süchtig nach Beweisen weiblichen Begehrens. Sie begehrt mich, also bin ich.

Interessanterweise können Frauen, die aus Selbstschutz aufs Begehren verzichten, besser mit diesem Mangel leben als der Mann, der nicht mehr begehrt wird. Frauen, die nicht begehren, geht es besser als Männern, die nicht begehrt werden. Aus diesem Missverhältnis resultiert letztlich der unverständlich scheinende Hass, den Männer gegen Frauen kanalisieren können, von denen sie nicht mehr begehrt werden. Jede Frau muss wissen: Nichts ist gefährlicher als das nachlassende Verlangen nach einem Mann, den man einst begehrte. Die Frau, die der Mann nicht mehr begehrt, entzieht ihm den Treibstoff ihres Selbstbewusstseins. Das kann nicht ohne Kollateralschaden für die Frau abgehen.

Die Liebe ist eine Höllenmacht. Damit sind die Qualen gemeint, die die erfolglos begehrende Frau durchleidet. Aber es sind auch die Torturen angesprochen, welche der Mann gegen die Frau anwendet, die sie nicht mehr begehrt. Frauen, die sich auf Einladung des Mannes vor dem Mann öffnen, ja entblössen dürfen, können nicht damit rechnen, selber über den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem sie die gefährliche Dialektik von Begehren und Begehrtwerden beenden. Nur Dummköpfe glauben, sie seien in der Lage, die Kräfte zu kon­trollieren, die sie durch ihr Begehren in den Männern entfesseln. Die Frau, die sich einfach davonschleicht, wird von den Energien eingeholt, die sie freisetzte. Nicht die Frau, der Mann beherrscht charismatisch die Unterwelt der Intimität. Frauen, die das Gegenteil vermuten, werden irgendwann durch die Wirklichkeit brutal eines Besseren belehrt.

Frauen, die Männer sitzenlassen, sind schäbig. Männer aber, die in der Frau das Begehren wecken, um dieses Begehren nachher zur Waffe gegen die entwaffnete Frau umzuschmieden, brechen das Naturgesetz, das Frauen und Männer im Innersten verbindet. Es ist mehr als eine Gemeinheit, es ist streng genommen ein Verstoss gegen die Natur, wenn ein Mann die verwundbarsten Stellen der Frau freilegt, sie zur Hingabe verlockt, ehe er ihren Paarungstrieb, ihre grösste Schwäche, aggressiv gegen die Frau wendet, um sie beispielsweise öffentlich blosszustellen. Die Rache des enttäuschten Mannes kann grausam sein. Sie hat sich lebenspraktisch, aber auch als wirksames Instrument der Zähmung und Zivilisierung der Frau bewährt. Frauen lassen sich von den Männern auch deshalb steuern und erziehen, weil sie um die Macht der männlichen Sanktionsarsenale wissen.

Frauen, die sich gegenüber den falschen Männern entblössen, ist nicht zu helfen. Sie scheitern kläglich in der Wildnis. Handkehrum sollte die Gesellschaft eine gewisse Toleranz entwickeln gegenüber Frauen, die ihren Trieben legal zum Opfer fallen. Die Frau ist schwach in ihrer Eigenschaft als begehrendes Tier, weil sie die Natur so gebaut hat. Männer, die das ausnützen, sind keine Helden. Sie missbrauchen nur die Macht, die ­ihnen die Natur in die Wiege legte.

Wüstenbewohner #DuneDuPilat

2. August 2014, 18:40 →   0 Anmerkungen   einsortiert in   Bilder

Besser reden mit unseren Lesern

„Meinungsfreiheit bedeutet, dass die Regierung dich nicht für das verhaften kann, was du sagst. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass sich jeder den Bockmist anhören muss, den du sagst, oder dir Raum einräumen muss, wenn du dich mitteilst. (…) Wenn du aus einer Internet-Community verbannt wirst, wird nicht deine Meinungsfreiheit verletzt. Es bedeutet bloß, dass die Leute, die dir zuhören, dich für einen Arsch halten und dir die Tür weisen.“Webcomic von Randall Munroe

Wir haben einen Fehler im System. Nämlich in den Foren der Nachrichtenseiten. Es ist Zeit, das zuzugeben. Wir müssen den Leserdialog neu denken.

Ich glaube, dass die Diskussion über das Thema überfällig ist. Darum will ich meine Sicht auf das Problem schildern, die Gedanken vorstellen, die wir uns gerade machen, und zum Schluss Lösungsvorschläge skizzieren. Anfangen aber will ich mit der Post, die ich von Lesern zum Thema bekomme.

Manche beklagen sich tatsächlich über den Untergang der Meinungsfreiheit, weil sie in unseren Foren zensiert werden. Sinngemäß poltern sie: „Bloß weil ich einen blöden Satz über Schwule geschrieben habe, sperren Sie mein Kommentarprofil. Ist es schon wieder soweit?“ Seit einigen Monaten mischen sich darunter mehr Mails anderer Menschen. Sie beklagen, wir würden die Man-wird-doch-noch-mal-sagen-dürfen-Ausfälle ersterer Leser nicht scharf genug zensieren. Sie dokumentieren ihre Vorwürfe eindrücklich mit Screenshots von Verfehlungen aller Art – Rechtsaußen-Sprüche, Beleidigungen, persönliche Angriffe, Verschwörungstheorien etc. – und ergänzen gern mal drohend: „Ich sehe keinerlei Glaubwürdigkeit mehr bei Ihrer Zeitung. Ich werde das alles jetzt auf Facebook posten.“

Bitter, aber es ist so: Leider haben letztere Leser oft Recht.

Was hier und dort unter unseren Artikeln steht, hätten wir nicht auf unsere Seite kommen lassen dürfen. Uns nervt das selbst. Kommentatoren, die einem den Spaß beim Lesen vergällen, weil sie einen noch nach dem ausgewogensten Text mit dem plattesten Gedanken überfallen, die echtes Nachdenken oder Argumentieren durch ihre Attacken unmöglich machen – diese Leute lassen wir leider immer wieder durch. Und weil sich die Laune einer Gruppe von Menschen immer nach dem Schlechtestgelaunten richtet, kippt die Stimmung durch sie schnell unter die Gürtellinie.

Wir wollen uns gar nicht damit rausreden, dass es bei anderen Seiten oft schlimmer aussieht. Aber wir kommen leider kaum noch nach. Von acht Uhr morgens bis in die späte Nacht hinein sichten bei uns täglich zwei bis drei Kollegen teils parallel die Leserbeiträge, die wir eigens so genannt haben, weil wir unsere Nutzer um neue Argumente bitten, um Beiträge im Wortsinn – nicht um schnelle Kommentare zu einem Text. Wir haben dafür vor zwei Jahren eine deutliche Netiquette formuliert, die Vormoderation zum Standard gemacht, das Kommentarsystem modernisiert, die Mannschaft fast verdoppelt, immer wieder geschult. Vieles ist besser geworden.

Aber ist es nun gut?

Ich will diesem Text vorausschicken, dass er nicht als Generalabrechnung mit Foren-Diskutanten auf Nachrichtenseiten zu lesen ist. Im Gegenteil soll er mit der Foren-Strategie der meisten Nachrichtenseiten ins Gericht gehen: Warum schaffen wir und andere es kaum, gutwillige Diskutanten vor böswilligen zu schützen? Was tun gegen schlechte Stimmung und für bessere Leserbeteiligung?

Nach Jakob Nielsens grober 90-9-1-Regel lesen im Tagesschnitt 90 Prozent der Nutzer auf einer Internet-Seite nur Artikel oder schauen Bilder an, ohne in Foren zu debattieren. Sie lesen aber sehr wohl, was unter Artikeln diskutiert wird, und erschrecken sich öfter mal. Neun Prozent machen hin und wieder in einem Diskussionsforum oder bei einer Leseraktion mit. Ein Prozent dagegen nimmt richtig Anteil an Debatten auf der Seite. Und von jenen aktiven ein bis zehn Prozent gibt es jeden Tag einen unbestimmbaren Bruchteil, der im Netz-Sprech „trollt“ – provoziert, ausfällig wird, die Gesprächskultur verdirbt.

Wer sind die Trolle? Ein Menschentypus, wie gern unterstellt wird, also ein immer gleicher böser Bruchteil? Oder eine sporadische Lebensweise – eine Art mäandernde Negativenergie in den aktiven zehn Prozent der Leserschaft? Oder eher eine Verwirrung, die wirklich jeden von uns überfallen kann, womöglich bloß einmal an tausend Tagen? Vermutlich ist der Begriff zu schwammig, und jeder versteht etwas anderes darunter, was die Sache nicht leichter macht. Aber ein paar Sachen wissen wir über jenes Phänomen, das unter dem Begriff gefasst wird.

Der Pöbler an sich 

Eine bis heute weitgehend unwidersprochene, unter deutschen Forenmoderatoren recht bekannte Untersuchung von Sebastian Horn und Max Neufeind beschreibt den Troll als einen bestimmten Typus von Internetnutzern; sie haben ihn zum besseren Verständnis „Pöbler“ genannt. Sein schädlicher Einfluss auf die Grundstimmung von Debatten wird auf Folie 20 ihrer Präsentation offensichtlich: Er verdirbt die Lust auf gute Argumente, provoziert andere zum Mitpöbeln und lässt den anderen Typen – Bemühten, Musterschülern, Besserwissern – kaum noch Chancen durchzudringen. Manche von diesen poltern plötzlich selbst.

1990, vor 24 Jahren also, hat Mike Godwin folgende Regel formuliert, zitiert frei nach Wikipedia: „Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Nazi- oder Hitler-Vergleich dem Wert 100 Prozent an.“ Dieses Gesetz heißt nach seinem Schöpfer Godwins Gesetz, aber vermutlich hätte es jeder langjährige Forenmoderator einer Nachrichtenseite erfinden sowie um weitere Allfälligkeiten erweitern können, etwa: Welt- und andere Verschwörungstheorien, Männer- oder Russlandfeindlichkeit, um ein paar moderne Klassiker zu nennen.

Die Debatte über ein Thema oder einen Artikel kann noch so klug und nett sein, ein paar Trollereien reichen, dann ist die Diskussion beim Teufel. Schauen Sie sich dieses Beispiel einer Diskussion über einen possierlichen Regenbogenkuchen an. Nicht wundern über die Leute. Lachen. 

Der Pöbler in jedem von uns 

Wieso das Gepöbel vermutlich doch nicht nur von einem harten Kern einzelner Menschen ausgeht, sondern die Unmenschlichkeiten zutiefst menschlich sind, hat jüngst Evelyn Roll in einer SZ-Wochenendausgabe analysiert. Das Essay ist „Pöbelmaschine“ betitelt und beginnt mit einem wunderbaren Vergleich:

 „Eine Frau in einem dunklen Auto, gehobenes Mittelklassefahrzeug, Münchner Kennzeichen, fährt auf der A 10 Richtung Berlin mit circa 130 Stundenkilometern, als plötzlich ein weißer SUV, den sie gerade überholen will, auf die linke Spur wechselt. Die Frau tritt hart in die Bremse und ruft: ‚Du blöder Wichser, hast wohl einen Vollschuss an der Latte! Mach dich wech in deiner elenden Bonzenschleuder.‘ Als sie erkennt, dass der Wichser eine Frau ist, sagt sie auch noch: ‚Oh, fuck! Tussi am Steuer! Hätte ich mir denken können! Und so was hat Führerschein, dämliche Kuh, blond gefärbte!‘ (…) Wenn diese Frau nicht gerade allein am Steuer sitzt, hält sie sich für taktvoll und zivilisiert, für eine Liebhaberin von Diskretion und Anstand. Gestern noch hat sie ihren Studenten einen Vortrag gehalten darüber, was der Verlust an Zivilisiertheit für die Menschenwürde bedeutet. (…) Offenbar reicht schon ein kleiner Schreck, dazu das Bewusstsein, dass niemand zuhört, und, zack, ist der Firnis der Zivilisiertheit gerissen. Die Frau im dunklen Auto bin ich. Warum mache ich so was? Nur, weil mich niemand hören kann? Was stellt Anonymität mit zivilisierten Menschen an?“ 

Wir kennen das alle, glaube ich.

Folgt man dieser Logik, sind nur die wenigsten Menschen Vollzeit-Pöbler aus Leidenschaft. Vielmehr steckt ein Pöbler in jedem von uns. Und manchmal will er raus.

Theorie der Pöbler 

Die österreichische Medienjournalistin Ingrid Brodnig hat ein Buch über Anonymität im Netz, deren Wert und Folgen, deren Sinn und Unsinn geschrieben. Sie unterfüttert die geschilderten Erfahrungen aus der Pöbler-Praxis mit Theorien und Studien. Ihre differenzierte Betrachtung lohnt zu lesen, sie sortiert das Phänomen und verweist zum Beispiel auf den „Online Disinhibition Effect“, auf Deutsch in etwa: die „Online-Enthemmung“. Diese entsteht durch die

  1. Anonymität der Debatte im Netz,
  2. physische Unsichtbarkeit der Diskutanten,
  3. Asynchronität der Kommunikation in den Foren,
  4. Fantasievorstellungen von den anderen Diskutanten,
  5. Rollenkonstruktion in virtuellen Räumen und
  6. Abwesenheit durchsetzungsstarker Autorität.

Knackiger auf Englisch die Faktoren nach John Suler, zitiert nach diesem aufschlussreichen Wikipedia-Artikel

  1. You don’t know me.
  2. You can’t see me.
  3. See you later.
  4. It’s all in my head.
  5. It’s just a game.
  6. Your rules don’t apply here.

Wem das noch zu kompliziert ist, den verweist Brodnig zur Vereinfachung auf die „Greater Internet Fuckwad Theory“:

„Normale Person + Anonymität + Publikum = Totale Arschgeige“ 

Mehr zu dieser Theorie, die sich ironischerweise „GIFT“ („Geschenk“) abkürzt, ebenfalls auf Wikipedia – dem wohl wichtigsten Langzeitexperiment einer konflikt-, troll- und streitfreudigen, gleichwohl überwiegend produktiven Community im Netz.

Brodnig nennt ihr Buch „Der unsichtbare Mensch“, weil für uns im Internet der reale gesellschaftliche Kontext unserer Aktionen zu wenig spürbar sei, weil wir uns sozial unsichtbar fühlen – auch wenn wir natürlich überaus sichtbar sind, Spuren und Daten hinterlassen, mit jeder Äußerung, mit jeder Sekunde des Surfens ein Stück mehr über uns verraten, sofern wir nicht ständig darauf achten, ebendies zu verhindern.

Die Vernetzung des Individuums ins große Ganze hinein ist im Internet vielleicht sogar enger als im sonstigen Leben außerhalb. Aber sie wird nicht als eng wahrgenommen. Die soziale Dimension des virtuellen Tuns ist nicht so unmittelbar zu bemerken, wie wenn man im Salon oder am Stammtisch debattiert. Das kann enthemmen.

Wie hilfreich ein gewisses Gemeinschaftsempfinden ist, spürt, wer die Kommentare in größeren Autoren-Blogs liest. Sie sind oft echte Beiträge: konstruktiv wie kritisch, interessiert wie interessant. Solche Blogs schaffen eine persönliche Bindung zu den Lesern, auch, weil Blogger in die Bindung mehr investieren, als es Redaktionen bei mehr als hundert Texten am Tag können (respektive viele Journalisten angesichts der Pöbeleien noch wollen – ein sich selbst verstärkender Kreislauf).

Pöbel- und andere Massenattacken 

Nachrichtenseiten ziehen durch ihre Massenreichweite unterschiedlichste Gruppen mit eigenen Interessen an, die ihre Meinungen gern in einem größeren Umfeld platzieren wollen. Unternehmen haben durch Handlanger wiederholt Diskussionen unterwandern lassen, und auch politisch Mächtige nutzen Tricks. Wie sollen zwei, drei oder auch 20, 30 Community-Moderatoren, die Hunderte oder Tausende Postings am Tag sichten, dagegen ankommen? In der Krim-Krise hatten viele Kollegen ein Gespür, dass russische Grau-PR im Spiel ist, aber Belege bekamen sie erst durch enthüllte Dokumente. Wie sollen wir in der Echtzeit-Moderation einer Nachrichtenseite gekauften Diskutanten auf die Schlichte kommen?

Vom berüchtigten Astroturfing ist es kein weiter Weg zum Flashmob-artigen Auftreten einer Horde gleichgesinnter Einzelner. Verschwörungstheoretiker und Sarrazinisten jeglicher Couleur zählen zu ihnen, Stichwort: Chemtrails, islamische Unterwanderung, Weltzionismus. Ebenso Menschen, die einen publizistisch-politisch-industriellen Komplex mit einer Geheimagenda am Werk wähnen, Stichwort: Systemmedien, Bilderberg. Oder Männer, die sich von der Emanzipation systematisch degradiert fühlen, Stichwort: Feminazis. So absonderlich die ideologischen Konstrukte im Hinterstübchen jener Kommentatoren sein mögen, wenn einer von ihnen unter x-beliebigen Texten seine Thesen schreibt, folgen ihm – oft dirigiert – seine Geistesverwandten. Andersdenkende lassen sich provozieren, steigen auf ewiggleiche Parolen ein, und ruckzuck bestimmt eine ideologische Gedankenwelt, die eigentlich zurecht randständig ist, auch die Argumentationen bessermeinender Menschen.

Anonymität trägt, siehe Online-Enthemmung, in beiden Fällen zum Problem bei.

Von Anonymität und Pseudonymität

Es ist die alte Streitfrage zwischen Print- und Onlinekollegen: Wenn sich jeder Leserbriefschreiber mit Name und Anschrift bekennen muss, wieso nicht auch die Netzdiskutanten? Würde das nicht Missbrauch erschweren und die Diskussion ziviler machen? 

Anonymität ist in Wahrheit das falsche Wort in der Debatte. wutmann71 mag für normale Leser nicht erkennbar sein als Hans Wurst aus München-City, wenn er auf einer Nachrichtenseite über eine jüdische oder muslimische Weltverschwörung schreibt. Aber die Redaktion kennt sein Profil und seine Mailadresse, oft auch den echten Namen. Er ist identifizier- und ansprechbar. Darum ist Pseudonymität der angemessene Begriff. 

Pseudonymität ist ein Bonus, den wir kommentierenden Lesern zugestehen, damit in Zeiten weiträumiger Netzüberwachung durch NSA, Regierung und Unternehmen Äußerungen nicht mit Klarnamen auf immer und für jeden googlebar werden. Das Recht, nicht hundertprozentig digital verfolgbar zu sein, ist in einer Demokratie eine wichtige Errungenschaft, deren Erhalt es abzuwägen gilt gegenüber anderen Werten – auch für Medienhäuser, die demokratiefördernde Debatten organisieren wollen.

Das Pseudonym-Privileg ist ein Segen für den Einzelnen in unserer weithin überwachten Netzgesellschaft, und sie kann auch ein Segen für die Diskussionskultur sein, wenn Menschen dadurch freier sprechen, freier über ihre Erlebnisse berichten, freier ihre Eindrücke und Argumente beisteuern, als sie es mit Klarnamen tun würden, weil sie fürchten, dass jeder über ihre Haltungen eine digitale Akte anlegen kann.

Ein Fluch ist es natürlich, wenn dieses Privileg zur Schilderung irrer Erlebnisse, Eindrücke und Argumente missbraucht wird.

Ingrid Brodnig zitiert in ihrem Buch eine Studie, der zufolge schon die Verknüpfung der Foren-Profile von Diskutanten mit ihren Facebook-Profilen sofort das Debattenniveau hebt – weil die Leute fürchten, von ihren Facebook-Freunden auf Pöbeleien angesprochen zu werden. Würde man noch einen Schritt weitergehen und Klarnamen einführen, könnte das dann nicht endgültig die soziale Kontrolle sicherstellen…? Natürlich erwischt man sich nach Sichtung extremer Leserkommentare bei dem Gedanken, dass das eines Tages vielleicht das letzte Mittel sein wird. Dann aber schaut man bei Facebook vorbei, durchstöbert zum Beispiel die Freundesliste der NPD und merkt: Klarnamen schützen die Welt keineswegs vor Tumbheiten. Die dort versammelten Menschen trauen sich mit Gesicht und Wohnort, der im Netz versammelten Gesellschaft ihre Neonazisprüche entgegenzurotzen. Oder man schaut in die Leserbriefredaktion. Auch dort kommen Briefe an, mit vollem Absender und Namen, die den Forenpöblern an Brachialität in nichts nachstehen.

Das Gefühl von Anonymität ist ein wichtiger, aber eben nur ein Faktor der Online-Enthemmung. Wenn der Firnis der Zivilisiertheit reißt, wie es Evelyn Roll nennt, dann egal, ob mit Klarnamen oder Pseudonymen – er reißt einfach immer, wenn der Pöbelbereite keine Angst vor sozialer Kontrolle hat.

Autorität und auflaufen lassen

Ingrid Brodnig vergleicht Internet-Foren mit verschiedenen Typen von Schulklassen. Da gibt es diese Wut- und Raufklassen, in die ein Neuling verschüchtert zum Schuljahresbeginn reinkommt und sich, sofern er überleben will, zügig anpassen muss. Der Neuling verroht quasi automatisch, oder er flieht. An diesen Klassen verzweifeln auch Lehrer. In anderen dagegen bringen sich Kinder noch selbst was bei – ja, das gibt es –; sie sind nicht zwingend brav, aber halt aufgeweckt, sie kommen dem bildungsbürgerlichen Ideal nah. Aus der eigenen Erinnerung wissen wir, dass in Problemklassen meist einzelne Pöbler kollektive Hormonschübe auslösen. Sie tun das, weil sie glauben, dass sie keiner stoppt. Am Ende hilft da Einzeltherapie, ein Klassenverweis, Strafstunden, Psychologenbesuche – kurz, Autorität. Für Brodnig heißt das: harte Moderation in Internet-Foren, mit einer sozialen Richtschnur für die Debatte. 

„Bei vielen Websites, Onlinediensten und Medien findet bereits ein Umdenken dahingehend statt, dass Störenfriede und Schreihälse nicht zum Nachteil jener, die konstruktiv mitdiskutieren wollen, geschützt gehören. Für einzelne Websites und Onlinedienste kann eine Abkehr von der Anonymität durchaus eine Lösung sein (…). Doch eine totale Abkehr von der Anonymität ist eine ziemlich einschneidende Maßnahme; wie wäre es denn, wenn man es zuerst mit etwas sanfteren Methoden versuchte? Stichwort: Moderation.“

Effektive Moderation bedeutet nicht nur gelegentliches Löschen von Kommentaren nach Publikation, sondern das Prüfen aller Kommentare davor oder zumindest schnelle Co-Moderation durch eine Masse vertrauenswürdiger Nutzer. Dazu kommen Regeln, die Pöbler auf wenig Verständnis hoffen lassen: Einmal trollen = Verwarnung, zweimal = Verweis, dreimal = Sperrung, falsches Profil = sofortige Löschung.

Das Problem ist, wenn die Vorbestraften nach einer Eskalation nicht aufgeben und sich zum Beispiel neue Profile einrichten. Dieses Katz-und-Maus-Spiel frisst dann Zeit und Energie – die kaum jemand hat, zumal eine solche Moderationspolitik insgesamt ziemlich aufwändig ist. Was dann?

Evelyn Roll vergleicht Pöbler in ihrem Essay mit popelnden Autofahrern. Auch diese fühlen sich unangreifbar und unbeobachtet, obwohl ihr Auto in der Öffentlichkeit unterwegs und identifizierbar ist. Sie wissen das insgeheim, lassen aber trotzdem nicht ab. Man kann sich nun aufregen, dass popelnde Menschen eklig sind, oder aber:

„Man muss wegen der pseudonymen Pöbler und Trolls im Netz die Idee der Anonymität nicht aufgeben. Man kann ihnen schreiben: Ihr Ton und Ihre Unterstellungen verderben unsere Debattenkultur. So wie man versuchen kann, einen Popler an der Ampel streng anzuschauen, damit er sich selber peinlich wird. Viel einfacher ist: wegklicken, den Troll nicht füttern, den Pöbler ignorieren, seine Kommentare nicht online schalten, entfreunden auf Facebook, nicht mehr folgen auf Twitter. Und wenn morgens um sieben an der Ampel wieder einer neben einem in seinem Auto sitzt mit dem Finger tief in der Nase? Gar nicht erst hinschauen. Geht doch.“

Das ist ein Appell an die Klugheit der vielen anderen. Anders gesagt: Nervige Mitschüler zu ignorieren, hat noch jeder Klasse gutgetan.

Leserdialog 

Das Argument, Moderation sei Zensur, ist grundfalsch. Nie war die Chance, irgendwo irgendwelche Thesen zu publizieren, so groß wie heute im Netzzeitalter. Wieso aber sollten ausgerechnet Nachrichtenseiten mit ihrem Multimillionenpublikum dieser Ort sein – wenn alle dort davon genervt sind, Leser wie Redakteure? Wieso ändern wir nicht unsere Regeln so, dass Menschen durchkommen, die wirklich etwas beizutragen haben?

Damit zu Ideen, die Interaktion mit den Lesern neu zu denken.

Die allererste Überlebensfrage, die sich eine Nachrichtenseite stellen sollte im allumfassenden Wettbewerb im Internet, wo jeder einen harten Markenkern braucht und eine sauber definierte Zielgruppe: Für wen machen wir das hier alles eigentlich?

„Für unsere Leser“ – antworten nach meiner Erfahrung viele Journalisten vieler Seiten spontan und leicht wohlfeil, denn „für die Verleger“ oder „fürs Geld“ ist verpönt. Dass sich so viele Kollegen hinter dieser Antwort versammeln können, liegt vor allem an deren Unschärfe. Denn für welche Leser genau arbeitet man genau? Eher die Google-Leser, die ein- oder zweimal im Monat zufällig vorbeischauen? Die Stammleser, die quasi täglich kommen und bestenfalls einige wenige hunderttausend sind, aber irgendwann auch ein Abo bezahlen würden? Die Eliten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, weil wir Journalisten uns in dieser Gesellschaft wohlfühlen, oder die einfachen Leute? Die Leser, die unsere Marke schon lange kennen, oder das möglichst große Massenpublikum, weil man die Strahlkraft der Marke ja im Netz vergrößern kann? Eher die Jungen, weil sie die Zukunft sind, oder die Alten, weil sie Geld haben? Lieber die Hippen, oder die Hartarbeitenden, oder die Schnittmenge aus beiden?

Journalisten fällt es oft noch schwer, ein klares Bild der gewünschten Kerngruppe zu skizzieren. Die publizistischen Profile der verschiedenen Nachrichtenseiten differenzieren sich gerade erst aus, zugegeben viel zu spät. Entsprechend spät kristallisiert sich auch das publizistische Verständnis vom Ideal-Leser jeder Seite sowie dem erwünschten Dialogangebot für ihn. Und so gibt es recht unentschieden fast überall noch irgendwelche Kommentarfunktionen, die routiniert schicksalsergeben runtermoderiert werden, soweit es das Budget erlaubt; bei manchen also intensiver, bei anderen weniger. Nur wenige Seiten – wie der Standard in Österreich – versuchen, für reichlich Geld neue Lösungen zu entwickeln wie eine Selbstmoderation der Diskutanten. Abwarten, was diese Investition bringt.

Im Extremfall ist geschäftsmäßige Wurstigkeit das Kalkül im Hintergrund von Nachrichtenseiten: Hauptsache, auf unserer Seite wird irgendwas diskutiert, das steigert die Verweildauer, und Niveau hin oder her, Kommentare sind billiger Content von Lesern für Leser. Tatsächlich akzeptieren manche Kollegen wegen einer leicht höheren Verweildauer und ein paar hunderttausend Klicks pro Monat massenhaft Mist, der dann wiederum andere Leser vergrätzt und das Image ruiniert. Diese Haltung hat wenig mit echtem Interesse an Leserdialog zu tun, also einer befruchtenden Auseinandersetzung zwischen Lesern untereinander oder von Lesern mit Journalisten, die ja mal das Hauptziel der ganzen Forenidee war.

Der allgemeinen Stagnation ist geschuldet, dass schon die halbwegs ordentlichen Kommentarforen von Zeit Online mit ihrer guten Moderation als Vorbild für Leserdialog gelten, oder die Mitmach-Aktion „Die Recherche“ bei uns. Das ist ungut. Vermutlich sollten wir ein paar grundlegende Sachen in Frage stellen.

1. Konzentrieren 

Irgendwer, vermutlich Spiegel Online, hat auch in Deutschland damit angefangen, dass jedes Thema auf jeder Nachrichtenseite direkt dort kommentiert werden soll, wo ein Text publiziert worden ist. Vor zehn Jahren war das plötzlich Marktstandard. Und ist es immer noch, obwohl die digitale Welt seither gelernt hat, bessere Diskussionen auf Plattformen wie Facebook, Twitter, Google Plus oder Disqus zu organisieren.

Wieso noch Debatten zu jedem Text auf unseren Seiten anbieten, statt dorthin zu verlinken, wo meistens mehr und anregender über diese Texte geredet wird? Wieso alles auf der eigenen Seite unter Kontrolle haben wollen – was vom Aufwand her eh nie kontrollierbar war und niemals sein wird, selbst wenn wir dreimal so viele Moderatoren hätten? Wieso die Debatte auf unseren Seiten nicht auf zwei, drei, vier große Themen am Tag konzentrieren?

Konzentrieren heißt auch: Die Diskussion, die noch auf der eigenen Seite stattfindet, klarer fokussieren. Mit Beteiligung der Redaktion, zumindest in Gestalt eines informierten, engagierten Moderators. 

Die „New York Times“ überlegt sich seit langer Zeit, zu welchen Texten und Themen sie Debatten zulässt, weil sie das Gespräch im Wortsinn führen will – und tut das dann auch. Bei ihr finden niveauvolle Debatten statt, auch mit Pseudonymen.

In einer klugen Reduktion der Diskussion liegt eine Chance: wenn dadurch mehr Zeit bleibt für das Herausheben und Moderieren guter Argumente; wenn dadurch der Ton stimmt; wenn die vielen Leute, die niemals Kommentare schreiben würden, sie aber lesen, sich besser fühlen in einer echten Gemeinschaft der Leser und irgendwann vielleicht auch mitmachen wollen.

2. Ernst nehmen 

Wer miterlebt hat, wie oft wir wichtige Anregungen von Nutzern für unsere Leser-Aktion „Die Recherche“ bekommen, wird nicht mehr lange über Pseudonymität oder Klarnamen nachdenken, sondern den Beteiligten einfach danken, egal wie sie genannt werden wollen. Wer Leser ernsthaft einbezieht und ihnen nicht bloß ein Biotop für irgendwelche Äußerungen bietet, kann mit ihrer Hilfe tatsächlich besseren Journalismus machen. Das ist uns durch die Reihe klar geworden.

Leser ernst zu nehmen, kann sich in vielen Formen äußern. Zeit Online publiziert zum Beispiel Leserartikel. Wir haben zweimal kartenbasierte Umfragen zu kontroversen Münchner Projekten gemacht (1, 2). Über das Diskussionsniveau war da nie zu klagen. Wir machen Videoformate mit Redakteuren, die auf Leserfragen antworten, kuratieren gute Leserbeiträge für die Forumsseite in der Zeitung und haben eine Mood Map zur Steuergerechtigkeit crowdsourcen lassen. All das schafft Mehrwert für Nutzer, die mitmachen, wie auch für Nutzer, die das Ergebnis anschauen.

Die Leser so ernst zu nehmen, dass wir ganze Erzählungen um ihre Anregungen und Beiträge herum stricken – das tun wir noch viel zu selten. Ich bin mir aber sicher, dass wir immer, wenn wir es tun, ein paar sporadische Leser zu Stammlesern machen. Wann sonst kann ein Leser so Einfluss nehmen auf das Programm einer Nachrichtenseite? Pöbler können bei solchen Dialogangeboten versuchen, ihr Werk zu verrichten. Aber in der Masse der Ernsthaften gehen sie unter.

3. Immer Neues versuchen 

Das Internet gilt als Medium, in dem der Journalismus und seine Konsumenten in ein neues partnerschaftliches Verhältnis finden könnten. Könnten. Würden wir nicht zum Beispiel den Fehler machen, das Versprechen von Interaktion mit dem Leser dadurch als eingelöst zu betrachten, dass wir ein Ghetto mit Kommentarforen schaffen – in dem wir Journalisten dann auch noch kaum vorbeischauen.

Wenn wir eine Partnerschaft mit den Lesern eingehen wollen, müssen wir nicht nur Foren ernster nehmen. Wir brauchen kreative Formate des Leserdialogs wie jene, die gerade aufgezählt wurden, und mehr davon. Wir brauchen Querdenker in den Redaktionen, die Formate wie die genannten entwickeln, damit der Leserdialog eine neue Entwicklungsstufe schafft.

Wem das zu sehr nach Selbstzweck und Gutmenschentum klingt: Es gibt dafür ein handfestes wirtschaftliches Motiv.

Ich habe ein positives, halbwegs gut erforschtes Bild von unseren Stammlesern, und bekanntlich glaube ich, dass wir mit diesen eine Art finanziellen Pakt für guten Journalismus schließen können. Ich benutze dafür ungern das ausgrenzende Wort Paywall. Ich bevorzuge den Begriff Leserclub, weil ich glaube, dass der Journalismus der digitalen Zukunft eine wohlmeinende Offenheit braucht.

Nun kann man Leser in einen Club auf vielerlei Art einladen. Einladend ist, wenn Foren auf Nachrichtenseiten keine Kneipen mit Schreikultur sind, sondern Salons mit Streitkultur – selbst wenn es am Ende weniger Salons als Kneipen gibt. Einladend ist, wenn Lesern zugehört wird, die Anregungen haben oder Kritik vorbringen; wenn sie mitmachen können, sobald sich eine gute Gelegenheit bietet. Einladend ist, wenn wir immer wieder Experimente wagen, die Spaß machen und/oder Mehrwert bieten.

Ich will die Erwartungen auf unsere weiteren Ideen für einen neuen Leserdialog nicht zu hoch schrauben. Wie das ideale Angebot aussieht, weiß keiner. So ist das in der neuen, unsicheren, agilen Medienwelt. Wir werden bald Experimente wagen, damit sich unsere Stammnutzer am Ende wohler fühlen. Hoffentlich. Wir fragen uns gerade: Wie werden die klassischen Trolle reagieren, wenn wir unsere Foren verändern? Werden einzelne Veränderungen auch gutmeinende Forennutzer vergrätzen? Die darunterliegende Frage: Wie schaffen wir es, klug ein Kommunikationsproblem zu lösen, das nicht alle Leser als gleich oder gleich schlimm wahrnehmen? Wie viel Rücksicht müssen wir bei Reformen nehmen, und wie viel dürfen wir nehmen?

Wir werden lernen dabei. Doch aus Angst vor Veränderung weiterzumachen wie bisher, würde die Fehler im System zementieren. Das erleichtert nichts. Mit dieser Taktik haben wir lange genug Erfahrungen gemacht.

Narzissschloss #Egoliebessymbol

Narzissschloss #Egoliebessymbol

Tiercontent #ChillingRica

20. März 2014, 22:08 →   2 Anmerkungen   einsortiert in   Bilder

Que rico (mas) #CostaRica

Que rico #CostaRica

Süßer Versuch. #ObesityMarketing

Süßer Versuch. #ObesityMarketing

Smoking kills. Other things kill faster. #Austin #CityHall

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Texas #DeutschesDorf #ArmyLonghorn #HausÜberholen